Über die Gründung dieses Hauses ist leider nur wenig vermerkt. Sicher aber ist, daß der „Adler“ immer schon ein herrschaftliches Haus war. Um den Zusammenhang herzustellen müssen wir etwas weiter ausholen. Seit etwa 1300 ist die Herrschaft Mittelbiberach als kaiserliche Reichsvogtei an einen Vogt verliehen, der als Grundherr auch die niedere Gerichtsbarkeit auszuüben hatte. Als Zeichen seiner Macht war mit diesem Amt eine Burg oder auch nur ein „Turm“ als Wohnung und eine „Amtswiesen“ als
Adler um 1900

amtliche Vorsorge zur Unabhängigkeit verbunden. Der Vogt hatte ähnlich wie der „Maier“ ursprünglich keinen Anteil an den Gemeindegerechtigkeiten „ zu Dorf, Feld und Wald“. Eben diese „Amtswiesen“, werden heute noch als „Embtwiesen“ bezeichnet, von der Mundart her aber fälschlicher Weise dem Öhmd, (2. getrockneter Grasschnitt) zugeschrieben.
Eben am damaligen Rand der ehemaligen Amtswiese und an die Straße nach Biberach wurde dieses heutige Gasthaus Adler platziert.


Adler nach dem Umbau 1998

Ursprünglich beherbergte das Haus wohl Bedienstete des Vogtes, die in der Kanzlei, der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft des Schloßgutes tätig waren. Einer der Bewohner war es wohl, der mit Genehmigung der Herrschaft dort nun Gäste beherbergte und Speisen und Getränke angeboten hatte. Es war eine sogenannte „Lehenstafern“ geworden (auf deutsch: ein Tafeltisch der pachtweise verliehen wird). Natürlich wurden im Laufe der Jahre weitere „Gestattungen“
hinzugenommen wie etwa das Bier brauen, das Metzgen, das Brot backen, Branntwein brennen usw. Die Herrschaft überwachte die genannten Dienstleistungen, so mußte zum Beispiel von jedem Sud Bier 2 Maß an die Herrschaft geliefert werden.
Der Brand ging damals von der Brauerei auf das Ökonomiegebäude des „Adlers“ und auf weitere 5-6 Häuser über, so daß 10 Familien obdachlos waren. Das seit 1820 fast unveränderte landwirtschaftliche Anwesen wurde in den 1970iger Jahren abgebrochen um Hofraum für die Wirtschaft zu gewinnen. Der 1998 neu gestaltete "Adlerplatz" mit dem "Ulrika-Brunnen" war für die Planer wie für die Bauherren eine schwierige

Aufgabe. Es mußte an den alten Landgasthof eine neue ländlich anmutende Geschäfts- und Wohnanlage konstruiert werden. Wir müssen aber bestätigen, daß dieses Ensemble sehr gut gelungen ist und sich Kunden, Gäste und Bewohner darin ebenfalls sehr wohl fühlen. In diesem Zusammenhang wurde auch der Landgasthof dem Umfeld angepaßt, ohne seine historische Baumasse zu verändern.
Adler 2012


Freisitz am Adlerplatz

Behutsame Modernisierung brachte das ehrwürdige Bauwerk auf den heutigen Standart an Comfort und Behaglichkeit. Eine Sonnenterrasse an der Südwestseite läßt den Blick offen für den Innenhof der Anlage, dessen Mittelpunkt der aus beigem Kalkstein von der Insel Korcula gestalteten Brunnen der als Zierde das Bildnis der in Mittelbiberach geborenen Seligen Ulrika Nisch trägt.